Chronik: Turnen im TSV


von Georg Hunke
ehemaliges Mitglied der TSV-Turnerriege

 

“Die letzten Jahrzehnte”

Im Namen “TSV Ellwangen” ist der Bereich Turnen seit 150 Jahren enthalten. Als Begriff Turnen wurde über ein Jahrhundert immer Geräteturnen verstanden. Der Leistungsstandard dieser Sportart hat sich in den letzten 25 Jahren zur Artistik entwickelt und ist nur noch für einen kleinen Kreis auserwählter Spitzenturner erstrebenswert. Heute stellt sich der Begriff ‘Turnen” als Sammelbegriff für Breitensport mit einem großen, vielfältigen Angebot sportlicher Betätigung dar. In kurzer Form möchte ich die letzten 50 Jahre der TSV Turnabteilung aus meiner Sicht Revue passieren lassen, wobei bereits in der Festschrift zur 125-Jahrfeier des TSV einiges aufgezeichnet wurde.

Am 15. Januar 1950 wurde die zum Kriegsende abgebrannte Turnhalle des TSV an der Jagst wieder hergestellt und mit einem Festabend, gestaltet vom Turnverein, Sängerbund und Stadtkapelle, unter dem Namen Turn- und Festhalle eingeweiht. Der damalige technische Leiter, vom Beruf Polizeibeamter, Willi Ihle suchte sich mit geschultem Auge 15 ‘Turner’ aus allen Sparten des Vereins aus und zauberte in 15 Übungsstunden eine Glanznummer für die Eröffnungsfeier auf die Bühne. Die Presse berichtete damals von Begeisterungsstürmen des Publikums über die gekonnte Bodengymnastik der Akteure, und der Erfolg dieser turnerischen Vorstellung war gleichzeitig die erneute Geburtsstunde einer Turnabteilung im TSV. Als Turnwarte, Vorturner und Betreuer zeichneten für die nächsten 10 Jahre Turnfreunde wie Karl Hemm, Oskar Büchler, Albert und Alois März, Philipp Thorwart , Martin Fürst, Hermann Eiberger und Hans Neff.

Unter der Regie dieser Turnfreunde bekam der Name “Turnverein Ellwangen” wieder an Bedeutung, das Turnen hat wieder Fuß gefasst, und im April 1950 fuhr ein Sonderzug mit über 500 Kindern Jugendlichen und Betreuern zum Kreisturnfest nach Hofen. Im Juli gleichen Jahres der TSV Ellwangen beim ersten Landesturnfest nach dem Kriege einer der stärksten Kreisvereine mit über 100 Sportlern, darunter 20 Geräteturner, 50 Turnerinnen, Leichtathleten sowie die Fechter des TSV unter Frau Ruckgabele. Im Oktober 1951 wurde ein Film über einen gelungenen Werbeabend des TSV gedreht, der, im damaligem Lichtspielhaus vorgeführt, riesigen Anklang bei der Ellwanger Bevölkerung fand. Das Landesturnfest 1952 in Schwenningen, das Deutsche Turnfest in Hamburg sowie das Landesturnfest 1954 in Ulm waren weitere erfolgreiche Meilensteine der TSV Turnerriege der Nachkriegsjahre. Leider wurde in den folgenden Jahren durch den beruflichen Wegzug einiger Stammturner aus Ellwangen die Leistungsstärke der Riege minimiert, und junge Nachwuchsturner mussten aufgebaut werden. Dass dies gelang, sah man in einer starken Leistungsphase der Jahre 1955-1959.

Gute Gastturner aus der Ellwanger Garnison verstärkten immer wieder bei Wettkämpfen unsere Turnabteilung, und wir waren mit vier Turnern in der Turngauauswahl damals einer der stärksten Vereine des Gaues. Aus dieser Zeit sind besonders zwei Vergleichskämpfe sowie die Teilnahme am Deutschen Turnfest zu erwähnen. 1958 zeichnete sich die Wichtigkeit eines Vereinsturnwartes für eine Turnabteilung ab. Mit dem Rücktritt des damaligen Stelleninhabers Albert März begann eine ernste Krise.

Die Riege turnte zwar ohne verantwortlichen Leiter weiter und sorgte bei einem fälligen Rückkampf gegen den TV Würzburg – Heidingsfeld nochmals für eine beachtliche Vorstellung vor heimischem Publikum. Ohne verantwortlichen Turnwart wurde der Krise zum Trotz, vom TSV unter Mithilfe aller Vereinsabteilungen das Gauturnfest mit über 800 Teilnehmern nach Ellwangen geholt und zu einem gut organisierten und erfolgreichen Fest mit vielen zufriedenen Zuschauern gestaltet. Der Erfolg nach außen konnte jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass interne harte Auseinandersetzungen unter den Verantwortlichen einen Zerfall der bisher so erfolgreichen Turnabteilung andeuteten. Im Sommer 1959, nach dem Besuch des Landesturnfestes in Heilbronn und der Amtsniederlegung im September des damaligen Vorstandsvorsitzenden Zahnarzt Dr. Hippler, ging es mit der Turn-Abteilung, die immer noch ohne Turnwart war, kontinuierlich bergab. In der Niederschrift der Hauptversammlung vom 22.6.1961 wurde die technische endgültig Existenzlosigkeit einer Turnabteilung protokolliert.

Nach 10 Jahren mühsamen Aufbaus und vieler schönen erfolgreicher Stunden wanderte der Rest der TSV Turnerin die Turnriege des TV Neulers ab. Erst 1966, nachdem durch den Neubau einer Turnhalle bei der Mittelhofschule (das bisherige Trainingshallen-Problem beseitigt wurde, waren es Georg Hunke und Peter Eiberger als die einzigen Hinterbliebenen der Nachkriegsturnriege, die den Wunsch nach Neuaufleben der Turnabteilung in die Tat umsetzten. Mit Beginn des ersten Trainingsabend, am 8.12.1966 zeichnete sich ein neuer Silberstreifen am Turnerhimmel ab. 1967 beteiligten wir uns bereits wieder am Landesturnfest in Ebingen. 1968 bestritten wir einen Wettkampf gegen den TSV Niedernhall, den Heimatverein des Turnkameraden Walter Egner.

Beim Gauturnfest 1968 in Lauchheim waren wir bereits wieder mit 22 Aktiven und beim Deutschen Turnfest in Berlin 1968 mit einer starken Mannschaft vertreten. Beim Gauturnfest 1969 konnte der TSV bereits wieder drei Gausiege an seine Fahne heften. Um die Betreuersituation wieder insgesamt zu verbessern übernahm ich das Amt des Turnwarts. Peter Eiberger stellte sich für die Betreuung der Schüler zur Verfügung, und Erich Vornberger war bereit, die Jugendriege zu übernehmen.

Diese Konstellation dauerte über ein Jahrzehnt, und in dieser Zeit haben die Ellwanger Turner an über 30 Gau-, Landes- und Bundesturnfesten als Wettkämpfer teilgenommen, wobei die wichtigsten noch nicht genannten auf Grund ihrer Erinnerungswürdigkeit folgend hervorgehoben werden: 1970 Landesturnfest Ludwigsburg, 1973 Deutsches Turnfest in Stuttgart, 1974 Landesturnfest in Biberach, 1978 Deutsches Turnfest in Hannover.

Ferner sind aus dieser Ära den Bürgern unserer Stadt noch die Auftritte der TSV- Turner bei öffentlichen Veranstaltungen wie Faschingsumzügen, Kalter Markt oder die Einweihung der Rundsporthalle im Februar 1975 in Erinnerung. Die Bemühungen um das Turngeschehen im TSV wurde 1971 anlässlich der 125-Jahrfeier des TSV durch den Deutschen Turnerbund gewürdigt. Loni Buchgraber, Karl Hemm und Georg Hunke erhielten die Ehrennadel des Bundes für langjährige erfolgreiche Mitarbeit. Nach 12jähriger Amtszeit als Turnwart musste ich aus beruflichen Gründen meine turnerischen Ambitionen aufgeben. Die Betreuung Übernahm mein langjähriger turnerischer Mitstreiter und Weggefährte Hans-Dieter Bolter, er blieb dem TSV Turnen erhalten. Unter dem Motto “Turnen aus Spaß an der Sportart” leitete er eine Freizeitturngruppe, “die Montagsturner”.

“100 Jahre Fleiß im Jagstkreis”, das Bild zeigt die damalige TSV-Turnerriege bei einer Turnvorführung im Festzelt. u. a. Büchele, März, Hunke

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