Chronik: Wir und die Turnfeste


von Hans-Dieter Bolter
Turnfestwart 1996

 

Demonstration der Lebensfreude

Landes- und Deutsche Turnfeste waren in der Turngeschichte immer herausragende Höhepunkte. Dabei gewesen zu sein bedeutet, eine große Gemeinschaft Sporttreibender kennen zu lernen, zu erleben, wie eine Großstadt über mehrere Tage von sportbegeisterten Menschen jeglichen Alters geprägt wird.

Die Gesichter der Turnfeste verändern sich im Laufe der Jahrzehnte. Aber seit 125 Jahren sind sie faszinierendes, historisches Spiegelbild des deutschen Turnens und in gewissem Sinne des Zeitgeistes und der Gesellschaft. In den 70er und 80er Jahren wurden sie zum Volksfest Nummer eins. Der damalige Bundeskanzler Kohl sprach zum Auftakt des Deutschen Turnfestes in Frankfurt 1983 von einer “Demonstration der Lebensfreude”. Für die Ausstrahlung und Faszination dieser Feste haben die Teilnehmer immer selbst gesorgt. Neben dem Ziel, eine gute Platzierung im Wettkampf zu erreichen, fühlte man sich als Turn- und Sportfamilie.

Probleme gab es kaum, mit Humor und guter Laune gestaltete man den Wettkampf, überbrückte eventuell auftretende Unzulänglichkeiten. Bei den verschiedensten Veranstaltungen holte man sich neue Ideen, ließ sich mitreissen von Schauvorführungen auf internationalem Niveau. Nebenbei lernte man noch eine Stadt kennen, besuchte Ausstellungen und Museen, und wenn es zu heiß wurde, verbrachte man den Nachmittag im Freibad oder irgendwo auf einem kühlenden Rasenstück. Eine freundliche Stimmung herrschte auf den Straßen, in Kneipen oder den öffentlichen Verkehrsmitteln von frühmorgens bis in die späte Nacht hinein.

Das Leben in den Gemeinschaftsunterkünften, meistens Schulen, verstärkte das Miteinander. Auch der Kontakt zwischen den einzelnen Abteilungen des Vereins erhielt durch die Turnfeste neue Auftriebe. Man traf sich zum Frühstück, trainierte für den Wettkampf oder saß in fröhlicher Runde zum Teil bis in die späte Nacht hinein. So ist es nicht verwunderlich, dass diese Turnfeste eine immer größere Beliebtheit auch in unserem Verein erfuhren.

Die TSV-Fahnenabordnung, Bolter, Klein und Biber beim Landesturnfest 1986 in Friedrichshafen

Die Organisation erforderte von den Veranstaltern aber auch in den Vereinen beim Turnfestwart einen hohen Einsatz. Frühzeitig musste für das Fest geworben werden und die nötigen Unterlagen bereitgestellt werden. Dann galt es, die Anmeldungen für die Unterkünfte, Verpflegung oder Verkehrsverbundkarten, sowie die Veranstaltungen und Wettkämpfe zum Teil gemeinsam in Sitzungen zu koordinieren. Fehlerberichtigungen, Ummeldungen und Nachmeldungen kosteten manche Stunde und einige Telefonate. Wenn endlich die Unterlagen eingetroffen waren, galt es, diese zu sortieren und an die Abteilungen auszugeben. Eine weitere Aufgabe war es, die Anfahrt zu regeln. Je nach Entfernungen war man mit dem Sonderzug, dem Bus oder privat unterwegs. In unserem Verein fühlten sich dafür immer die Turner und Turnerinnen verantwortlich.

 

 

Ab 1979 bis 1990 übernahm die Funktion des Turnfestwartes Hans-Dieter Bolter. In der Folge wurden die großen Turnfeste zu einem Renner in unserem Verein, nahmen doch in diesen Jahren 380 Vereinsmitglieder an überregionalen Turnfesten teil. Höhepunkt war zweifellos 1987 Berlin mit 102 Teilnehmern aus den verschiedenen Abteilungen unseres Vereins. Für das Deutsche Turnfest in Dortmund/Bochum 1990 konnte ich zwar die Vorbereitungen machen, aber aus zeitlichen Gründen nicht mehr selbst dabei sein. Für die anschließenden Jahre übernahmen Sissi Rettenmeier und Klaus Hunke die organisatorische Abwicklung im Verein.

 

Die Teilnehmer des TSV am Deutschen Turnfest 1987 in Berlin

[…zurück zur Chronik]