Chronik: Turnen 1996


von Gertrud Bauer

 

“Geräteturnen ist in”

Die Traditionssportart Turnen war in früheren Jahren eine Domäne der Männer. 1996 wurde sie beim TSV von 50 jungen Turnerinnen erfolgreich wettkampfmäßig betrieben. Geräteturnen ist vielseitig. Das Lernen, Üben und Gestalten von immer neuen und schwierigen Bewegungsaufgaben ist vielseitig.

Die Turnerinnen des TSV Ellwangen stellen derzeit fünf Schülerliga-Mannschaften, eine Jugendmannschaft und eine Mannschaft mit Kürturnerinnen. Betreut werden sie von Gertrud Bauer, Nicole Bäuerle, Sonja Bauer, Claudia und Cornelia Eiberger, Karin Geiling, Mareike Papert, Isolde Pfeifer.

Seit Jahren waren die TSV-Turnerinnen immer dabei bei Gaukinderturnfesten, Gauturnfesten, Gaubergturnfeste, Landes- oder Deutschen Turnfesten, desgleichen auch bei Mannschafts- und Rundenkämpfen oder bei Kunstturn-, Einzel- oder Württembergischen Mehrkampfmeisterschaften einschließlich der Landesentscheide. Die Wettkampfpalette ist für die jungen Turnerinnen riesig groß.

TSV-Turnerinnen 1979

Turngau-Wettkämpfe waren ohne die Ellwanger Mädchen kaum vorstellbar. Sie setzten vielen Wettkämpfen in den letzten Jahren das “i “- Tüpfelchen auf. Neben zahlreichen Turnfestsiegen dominierten sie in allen Mannschaftswettbewerben. 1995 gelang es, beim Gau-Endkampf in allen Altersstufen die Sieger in der Einzel- und Mannschaftswertung zu stellen.

Mehr als 20 Jahre sind [DATUM], seit Gertrud Bauer 1975 mit einigen Mädchen von Loni Buchgraber und Karl Hemm begann, zusätzlich zum allgemeinen Kinderturnen eine Stunde wöchentlich an Geräten zu üben. Man beteiligte sich damals, wie bereits erwähnt, schon an den Gau-, Kindergau,- Landes- und Deutschen Turnfesten sowie an Mannschafts-Wettkämpfen mit wechselndem Erfolg. Vereine, die mehr trainierten, starteten bei Wettkämpfen im Kunstturnen oder qualifizierten sich bei den Mannschaftswettkämpfen zum Landes-Entscheid. Auch aus unseren Reihen gab es immer einzelne Turnerinnen, die auf Gau-Ebene vorne mitmischen konnten, u. a. Susanne Pfitzer, Doris Rettenmeier, Ute Stengel, doch in Mannschaftswettkämpfen wurde ein Gausieg, der einen Start auf Landesebene ermöglicht hätte, nie erreicht. Das sollte anders werden! Die persönliche Zielsetzung war gegeben, und es begann ein teils mühevoller Weg nach oben. Man stockte die Übungsstunden auf und trainierte in kleinen Gruppen unter tatkräftiger Mithilfe von Susanne Pfitzer und Sigrid Rettenmeier. 1979 war es dann so weit. Die 1. Mannschaft des TSV Ellwangen, die damalige E-Jugend, schaffte erstmals die Qualifikation zum Landesentscheid. Die jungen Turnerinnen überraschten mit einem 2. Platz und setzten das Signal für weitere Erfolge auf Landesebene. Im musischen Wimpel-Wettstreit konnte dann mehrmals der 2. Platz auf dem Treppchen erreicht werden. Dies war mit Sicherheit auch ein Erfolg von Rose Eiberger, die damals für den musischen Teil, den Tanz, verantwortlich zeichnete.

Leider forderte der große Zeitaufwand des musischen Wimpel-Wettstreits zu viele Übungseinheiten, sodass die Leistungen im Geräteturnen abfielen und der Erfolg von 1979 nicht wiederholt werden konnte. Nachdem dazu sowieso nur eine begrenzte Anzahl von Mädchen eingesetzt werden konnte, beschloss man, sich mit allen Turnerinnen wieder ausschließlich dem Geräteturnen zu widmen. Vorne mitmischen, das heißt, Treppchen oder nur Dabeisein und Mitmachen?

Dies war eine grundsätzliche Frage, denn die ständig steigenden Anforderungen an Wettkampfleistungen forderte ein enormes Pensum mehr an Trainings- und Übungsstunden. Man hatte sich entschieden und zog mit der Konkurrenz “Geräteturnen” mit. Mit Sigrid Rettenmeier (C-Trainerin) und Sonja Bauer (B-Trainerin) hatte Gertrud Bauer doch zwei gut ausgebildete Übungsleiterinnen, und damit war die Intensivierung des Trainings kein überaus großes Problem. Durch den Erwerb der Landeslizenz im Kampfrichterwesen konnten Sonja Bauer, Sigrid Krämer-Rettenmeier und Gertrud Bauer das Niveau des Geräteturnens in Ellwangen weiter aufwerten. Der Erfolg blieb nicht aus. Ab 1986 war man jedes Jahr bei den Landesentscheiden mit mehreren zweiten und dritten Plätzen vertreten. 1992 war es dann soweit, die E-Jugend der Ellwanger Turnerinnen wurde Landessieger.

Im Jahr 1993 änderte der Schwäbische Turnerbund den Austragungsmodus der Rundenkämpfe, indem er eine Schülerliga schuf, die über Regional-Entscheide letztlich zu den Württembergischen Meisterschaften führt. Auch dies konnte die Erfolge der Ellwanger Turnerinnen nicht schmälern. Die D-Jugend belegte 1993 den dritten Platz, und die C- und E-Jugend konnten 1994 den Titel des Württembergischen Vizemeisters und die C-Jugend Württembergischer Vizemeistertitel 1995 mit nach hause nehmen. Die E- Jugendmannschaft wurde in diesem Jahr Dritte: In den Einzel-Wettbewerben verhinderten mehrmals nur Zehntel Punkte den angestrebten Landessieg. Cornelia Eiberger, um einmal Namen zu nennen, war über viele Jahre hinweg das Aushängeschild der Abteilung.

Die Württembergischen Vizemeister der Leistungsturnerinnen der C- und E-Jugend 1994

Den Durchbruch der Barriere schafften dann endlich 1995 Katja Bäuerle und Isabell Beck. Katja wurde Württembergische Meisterin im Geräte-Vierkampf der C-Jugend, Isabell Landessiegerin im Jahnwettkampf der C-Jugend. Auch beim Deutschen Turnfest 1995 in Homburg war man mit dem Abschneiden mehr als zufrieden. Fast alle ElIwanger Turnerinnen konnten sich im Geräte-Vierkampf oder im gemischten Vierkampf unter die ersten 50 des Deutschen Turnerbundes turnen. Das beste Ergebnis erreichte dabei Katja Bäuerle. Sie belegte im Geräte-Vierkampf der C- Jugend von 1130 Teilnehmerinnen den 6. Platz.

Neben vielen Möglichkeiten gab man besonders talentierten guten Turnerinnen die Gelegenheit, bei Württembergischen Kunstturnmeisterschaften teilzunehmen. Sie haben alle erfolgreich abgeschnitten und bilden einen Teil der Kunstturnerinnen-Mannschaft, die 1995 von der Bezirksliga in die Landesliga aufgestiegen ist. Der Beginn des Jubiläumsjahres 1996 brachte fast wie bestellt nicht einkalkulierte Überraschungen. Die erstmals in der Landesliga startende Mannschaft der Kunstturnerinnen belegte zum Abschluß überraschend den dritten Platz. Ebenso erfolgreich waren die Turnerinnen beim Bereichsvergleichskampf des Turngau Ostwürttemberg. Erstmals konnten sie in allen Altersklassen von der A- bis zur F-Jugend in den Mannschafts- und Einzelwertungen alle Sieger stellen.

Ein besonderes Geschenk brachte Katja Bäuerle am 9. Juni 1996 vom Landesturnfest in Ulm mit nach Ellwangen. Sie wurde Turnfestsiegerin im Pflicht/Kür-Wettkampf der B-Jugend. Ebenso war die Freude groß über die Erfolge von Isabell Beck mit ihrer Württembergischen Vizemeisterschaft im Deutschen Sechskampf, mit einem zweiten Platz im Pflicht/Kür-Wettkampf und dem dritten Platz im Wahlwettkampf der B-Jugend. Die herausragenden Leistungen der TSV Turnerinnen in Ulm rundete Miriam Geiling mit einem dritten Platz im Pflicht/Kür-Wettkampf der C-Jugend ab.

Unser Sportterrain ist im allgemeinen eine Turnhalle, jedoch in den Sommermonaten, wenn die Sonne gnadenlos die Rundsporthalle aufheizt, flüchten wir manchmal in die umliegenden Sportanlagen. Leichtathletik und Turnen unter freiem Himmel, eine Besonderheit der Gaukinderturnfeste, ist dann angesagt. Videoabende, Ferienturnen im Leistungszentrum, maskierte Turnstunde und der Besuch des Nikolaus rundeten damals das alljährige Programm unserer teilweise vor Lebensfreude strotzenden, aber auch fröhlich ehrgeizigen Leistungs-Turnabteilung der Mädchen ab.

Die Leistungsgruppe mit ihren Trainerinnen im Jubiläumsjahr

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