Chronik: Leichtathletik


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von Peter Stocker

 

Über Jahrzehnte “meisterlich”
Die letzten fünf Jahrzehnte der TSV Leichtathletik waren mit so vielen prägnanten Ergebnissen bestückt, dass man sie in Kurzfassung aus Anlass des Jubiläums nochmals Revue passieren lassen muss. Waren es in der Zeit bis 1945 – die erste Leichtathletik-Abteilung wurde 1940 gegründet – meist die Turner und Aktiven anderer Vereinssportarten, die für den TSV bei Leichtathletik-Meisterschaften des damaligen Reichsbundes für Leibeserziehung starteten, so brachte in den ersten Nachkriegsjahren der Aufbau einer speziellen Leichtathletikabteilung neue Aspekte in die TSV-Leichtathletikbewegung.

Gleichzeitig leisteten die Ellwanger damals maßgebliche Aufbauarbeit an der Leichtathletik-Entwicklung des Sportkreises. In der Zeit von 1946 -1950 waren die Aktiven des TSV die überragenden Leichtathleten im Kreis und machten sich auch über die Kreisgrenzen hinaus einen beachtlichen Namen. Bei allen Veranstaltungen der Leichtathleten trumpften die Blau-Weißen (“blaues Trikot, weiße Hosen” ) aus Ellwangen auf. 1948 brachte man zum Beispiel weit über die Hälfte der zu vergebenden Titel (16) der Kreismeisterschaft von Wasseralfingen mit nach Hause.

Herausragende Leichtathleten wie Helmut Kilian (100 m unter 11.0 sec), Eugen Traub und Heinz Zenker kamen aus der damals überaus erfolgreichen TSV Handballmannschaft. Aber auch die anderen Handballer und Handballerinnen waren bei den Leichtathletik-Veranstaltungen immer mit von der Partie und sorgten für entsprechende Leistungen, z. B. waren bei einer Kreismeisterschaft die 1,79 m des Handballers Theo Buchgraber im Hochsprung mit der damaligen Schersprungtechnik ganz beachtlich.

Die erfolgreiche 4×100-m-Staffel der 50er Jahre E. Thomas, L. Buchgraber, U. Cerny, J. Jetter

Anfangs der 50er Jahre wechselten unsere Spitzenathleten Zenker, Kilian und Traub trainingshalber zu Stuttgarter Großvereinen. Die Erfolgsschwerpunkte verlagerten sich in dieser Zeit auf die Damen der Handballabteilung, waren doch Loni Buchgraber mit hervorragenden Erfolgen im 100-m-Lauf, im Weitsprung und bei Waldlaufmeisterschaften sowie Inge Jetter, Ursel Cerny und Edeldraut Thomas in den Laufwettbewerben immer Garanten für gute Leistungen. Als Mannschaft in der 4×100-m-Staffel dominierten sie lange Zeit im Sportkreis und bei Veranstaltungen auch außerhalb der Kreisgrenzen.

 

1956, nach Eröffnung des Waldstadions mit seinen hervorragenden Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten kamen auch die Auswanderer Eugen Traub und Heinz Zenker zurück und stellten eine Leichtathletikmannschaft zusammen, die in Fachkreisen vielerorts von sich reden machte. Graf Werner von Moltke wurde 1957 für den TSV Württembergischer Meister der Männer und Deutscher Meister der Junioren im Zehnkampf. 1958 war er Deutscher Meister der Männer in dieser Disziplin und stellte 1960 mit 7125 Punkten einen neuen württembergischen Rekord auf. Die Leistungsstärke der TSVler wurde 1958 deutlich sichtbar. Von 20 Kreisrekorden hatten die Männer 14 auf ihrem Konto.

Auch ohne von Moltke blieb dank gezielter Nachwuchsarbeit auch 1961 Ellwangen eine Hochburg der Leichtathleten. 1963 holte sich Erich Leyerer den Württembergischen Meistertitel im Weitsprung.1969 sorgte die männliche A-jugend für den 2. Platz bei den Württembergischen Fünfkampfmeisterschaften, und der 17-jährige Karl-Hans Hemm erreichte 1970 im Hochsprung die beachtliche Höhe von 1,90 m. Bei Hervorhebung aller persönlichen Leistungen der Athleten dieser Ära darf man letzthin die Initiatoren und guten Geister der Abteilung, “die Abteilungsleiter” nicht vergessen.

Anton König hat die Leichtathletik-Abteilung gleichsam aus der Taufe gehoben und hat durch sein persönliches Engagement und seine Liebe zu dieser Sportart – wie nach ihm Dietrich Esdar – die bis dahin nachweislich größten sportlichen Erfolge einer TSV Abteilung erst möglich gemacht. Altersbedingt und durch beruflichen Wegzug einiger Sportler kamen dann magere Leichtathletik-Jahre. Die Vernachlässigung der Jugendarbeit und der jungen Talente machte sich bemerkbar, und es zeigte sich schon zu dieser Zeit, dass die Talentförderung im Sport “gut”, die schwere und Geduld fordernde Nachwuchsarbeit im Bereich der Kinder und Schüler jedoch “unbedingt” erforderlich ist.

1974 übernahm Kurt Debler die Leichtathletik-Abteilung, und es begann für ihn und Loni Buchgraber eine mühevolle, im Bezug auf Leistungssteigerung aber letztlich erfolgreiche Zeit. Es kamen Jahre, in welchen die Schüler den früheren Erfolgsnimbus der TSV Leichtathleten wieder aufrecht hielten, und man sah auf den Sportplätzen innerhalb und außerhalb der Kreisgrenzen immer wieder mehr junge Athleten im blauweißen Dress des TSV auf den Siegertreppchen.

Eine Vielzahl von Kreis- und Bezirksmeistertitel sowie Kreisrekorde fanden ihr Zuhause beim TSV. Herausragender Leichtathlet war dabei der Allrounder Uwe Debler. Aber auch andere Talente sorgten für hervorragende Leistungen u. a. Andi und Uli Buchgraber, Markus Bahr, Wolfgang Knodel und Hans-Georg Weber sowie bei den Mädchen u. a. Susanne Pfitzer. Petra und Elke Bühlmayer, Iris Borst, Britta Riehl, Birgit Korella, Jutta Kässer.

Württembergischer Mannschaftsmeister 1976 – U. Debler, A. Buchgraber, U. Buchgraber, M. Bahr

1972 fällte man nach langen Querelen eine etwas umstrittene Entscheidung. Der TSV hatte gute Nachwuchsathleten, aber an Trainern und Übungsleitern fehlte es. Die DJK Ellwangen aber war mit Leichtathletik-Übungsleitern besser ausgestattet, so fusionierte man zur Leichtathletik Sportgemeinschaft (LSG) Ellwangen und erhoffte sich noch mehr Erfolge.

 

Das Blau-Weiß und die lange währende TS -Leichtathletiktradition verschwanden über Nacht. In der Folgezeit sorgten die in die LSG eingebrachten TSV Schüler Markus Bahr, Andi und Uli Buchgraber, Uwe Debler und Wolfgang Knodel für einen Höhepunkt. Am 30. Mai 1976 wurde diese Mannschaft unter Trainer Ferdinand Dahner bei den württembergischen Schülerbestenkämpfen im Vierkampf unangefochten Württembergischer Meister.

Uwe Debler gewann dabei noch in den Einzeldisziplinen des Vierkampfs und im Weitsprung. Am 26. September des gleichen Jahres starteten sie im Ellwanger Waldstadion in der Auswahlmannschaft des Ostalbkreises zu einem Vergleichskampf der Landkreise Ansbach, Ostalb und Schwäbisch Hall. Überzeugender Sieger wurde die Mannschaft der Ostalb. Andreas Buchgraber erhielt dabei aus der Hand des damaligen Oberbürgermeisters Karl Wöhr den Ehrenpreis der Stadt, einen Zinnteller für die beste Leistung dieser Veranstaltung, seinen 800-m-Lauf.

Durch den Eintritt anderer Vereine der näheren Umgebung in die Vereinigung wurde aus der LSG Ellwangen eine LSG Virngrund/lpf. Uwe Debler stellte in dieser Zeit den noch heute bestehenden Bezirksrekord im 200-m- Lauf auf.

1988 gab Kurt Debler nach 14 Jahren erfolgreicher Arbeit sein Amt als Abteilungsleiter ab und Peter Stocker zeichnete als sein Nachfolger für die Leichtathletik-Abteilung.

1989 löste sich die Ehe zwischen dem TSV und der LSG Virngrund/lpf wieder und unter den Fittichen des A-Trainers Erich Scharpfenecker ging man wieder eigene Wege. Durch konsequente Trainingsarbeit und einigen Talenten wurde mit einer zwar kleinen, aber erfolgreichen Mannschaft ein neuer Erfolgsweg beschritten. 1989 hieß der Württembergische Meister im Dreisprung der B-Jugend Stefan Häußler. Karin Winkens holte sich 1990 auf Landesebene die Titel der Jugend-Mehrkampfmeisterschaft im Vier- sowie im 7-Kampf. Der Meistertitel im Dreisprung der Juniorinnen 1993 war einer ihrer weiteren Glanzpunkte.

Erich Scharpfenecker hatte mit der Gewinnung von Ingrid Briel für die TSV Leichtathletik-Abteilung eine glückliche Hand. Sie wurde 1990 Baden-Württembergische Meisterin im 400-m- Lauf der Juniorinnen und später in der gleichen Disziplin Baden-Wurttembergische Meisterin der Frauen. Damit war sie in der Neuzeit der TSV Leichtathletik-Abteilung die erfolgreichste Athletin.

Ihr gelang ferner ab 1990 jährlich die Qualifikation in ihrer Spezialdisziplin, dem 400-m-Lauf zur Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften der Aktiven. 1993 stellte sie als 3. der Süddeutschen Meisterschaft mit 54,09 sec den derzeitigen 400 m Bezirksrekord auf.

Diese hervorragenden Leistungen können jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die TSV Leichtathletikabteilung in ihrer Gesamtheit auf Grund fehlender Übungsleiter und Nachwuchsarbeit im Kinder- und Jugendbereich leider auch 1996 wieder einmal in der Talsohle zuhause ist.

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