Chronik: Versehrtensport


von Josef Konle

 

Eine gute “Besatzung”
Die derzeitige Versehrtensportgruppe Ellwangen (VSG) besteht seit nunmehr 39 Jahren und hatte ihren Ursprung in der Versehrtensportabteilung des TSV. Am 29. April 1957 fand der erste Übungsabend in der Turnhalle der Buchenbergschule statt. Erster Übungsleiter war Philipp Thorwart. Die Gründer: Lothar Grimm, Wilfried Ludwig, Michael Magg, Julius Schütz, Hermann Steim, Eberhard Stierkorb. Bald kamen auch Fritz Rieker, Josef Lang, Eberhard Biber und Karl Kuhn dazu. 1970 waren es 20 Mitglieder.

Gymnastik und Schwimmen waren die ersten sportlichen Aktivitäten. Skikurse und Lehrgänge wurden besucht, Wanderungen und Ausflüge durchgeführt, und langsam stieg die Mitgliederzahl.

Ein herausragendes Ereignis war am 21. Juni 1964 das Landesversehrten-Sportfest in Ellwangen, an dem 476 Männer und Frauen teilnahmen. Im Frühjahr 1969 nahmen die Ellwanger VSGler erstmals an einem Faustballturnier teil und kamen als Sieger nach Hause. 1972/73 wurde Tischtennis aufgenommen, und 1977 konnte das 20-jährige Bestehen gefeiert werden. Im Mai 1980 erweiterte man die Abteilung um eine Rollstuhlgruppe, und ab 1984 traf man sich zu Kegelabenden.

Die Eröffnung des Ellwanger Hallenbades brachte für den Schwimmbetrieb viele Erleichterungen. Die langen Anfahrten in die benachbarten Städte konnte man sich nun ersparen. 1982 – die VSG war inzwischen 25 Jahre alt geworden – führte man in Ellwangen das Bezirkssportfest des Bezirks Ostalb-Donau mit 196 Teilnehmern durch.

1986 wurde ein regelmäßiger Kegelbetrieb im “Gasthaus zu Linde” in Rotenbach aufgenommen. Die Gründung einer Herzsportgruppe konnte nach vielen Schwierigkeiten im Februar 1987 vorgenommen werden. lnzwischen ist die Teilnehmerzahl dieser Gruppe so groß, dass in mehreren Untergruppen aufgeteilt werden musste. Die ärztliche Betreuung liegt seither in den Händen der Oberärzte Dr. Hans-Joachim Dietterle und Dr. Udo Przybylla. Heinz Rieker und Edeltraud Wünsch sind als Übungsleiter für die Abwicklung des Sportbetriebs verantwortlich. Die Gründung einer Herzsportgruppe sowie neuer Aktivitäten ließen die Mitgliederzahl stark anwachsen. Am 4. April 1987 war die VSG wieder Ausrichter des Bezirksschwimmfestes im Ellwanger Hallenbad.

Seit der Gründung 1957 hat Eberhard Stierkorb die Versehrtensportgruppe geleitet und erhielt dafür vom Verband und dem TSV hohe Wertschätzung und Auszeichnungen. Bei der Jahreshauptversammlung am 20. Januar 1989 stellte er sich nicht mehr zur Wahl. In Anerkennung seiner Verdienste um die VSG wurde er einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Sein Nachfolger wurde Konrad Ilg, Stellvertreter blieb Ernst Lux, Kassier Hans Müller und Schriftführer Wilfried Ludwig.

In der Folgezeit konnte der Sportbetrieb weiter intensiviert werden. Die Zahl der Wanderungen erhöhte sich, und der Mitgliederzuwachs insbesondere bei der Herzsportgruppe nahm weiter zu.

Aus gesundheitlichen Gründen stellte sich Konrad IIg bei der Jahreshauptversammlung am 27. März 1993 nicht mehr zur Wahl. Neuer Vorsitzender wurde Heinz Rieker, sein Vertreter blieb Ernst Lux, Kassier Hans Müller und Schriftführer nach wie vor Wilfried Ludwig. Mit Heinz Rieker hat ein junger dynamischer Mann den GSV Vorsitz übernommen, dem alten erfahrene “Hasen” zur Seite standen –eine gute “Besatzung”.

Eine erste Bewährungsprobe hatte das neue Team dann im darauffolgenden Jahr zu bestehen. Die VSG Ellwangen übernahm mit seinen enormen organisatorischen Aufgaben das Bezirkssportfest und die Bezirksmehrkampfmeisterschaft als Ausrichter. Am 4. Juni 1994 – am Vortag der offiziellen Einweihungsfeier des total umgebauten Ellwanger Waldstadions – fand dieses Sportfest statt. Dank eines engagierten Mitarbeiterteams endete diese Veranstaltung mit vollem Erfolg, und die VSG heimste sich wieder viel Zustimmung und Lob ein.

Bei der Jahreshauptversammlung am 24. März 1995 gab es erneut eine Änderung in der Vorstandschaft. Ernst Lux, 32 Jahre stellvertretender Vorstand, und Hans Müller, 23 Jahre Kassier, lehnten aus Altersgründen eine Wiederwahl ab. Ihnen wurde für die langjährige Mitarbeit herzlich gedankt. Die bisherigen Aufgaben der beiden Übernahmen als Nachfolger Gerard Preker und Josef Konle. “Jüngstes Kind” der Versehrtensportgruppe ist seit 31. März 1995 im wahrsten Sinne des Wortes die Kinder – Sportgruppe. Mit drei Kindern wurde begonnen, und nach der dritten Gymnastikstunde waren es schon neun Teilnehmer. Karin Winkens, eine junge sportlich engagierte Übungsleiterin, betreut in der dafür ideal geeigneten Gymnastikhalle des Behindertenheims Rabenhof diese Kinder. Die VSG kann heute auf 39 Jahre Sport für Versehrte zurückblicken. In ihr haben über 170 Behinderte im Alter von acht bis 80 Jahren eine sportliche Heimat gefunden.

Betreut werden sie von den Übungsleitern Edeltraud Wünsch, Karin Winkens, Heinz Rieker und Fritz Rieker, Gerard Preker und Josef Konle sowie den in Ausbildung stehenden Übungsleiter Herbert Schadt. Die ärztliche Aufsicht obliegt dem Sportarzt Dr. Hermann Fuchs. Bei den Herzsportgruppen wird die ärztliche Betreuung von Dr. Hans-Joachim Dietterle und Dr. Udo Przybylla wahrgenommen. An sportlichen Aktivitäten werden Schwimmen mit Wasserbewegungstherapie, Faustball, Gymnastik und Spiele, Herzsport, Kegeln, Leichtathletik, Tischtennis, wandern und Kindergymnastik angeboten. Auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz. Dies beweisen die Jahresabschlussfeiern, die Fastnachtsveranstaltungen, die Grillfeste sowie die Ein- und Mehrtagesfahrten.

[Anm. d. Red.: In freundschaftlichem Einvernehmen schied die VSG am 31.05.1997 aus dem TSV Ellwangen aus und besteht seitdem als eigenständiger Verein BVSG Ellwangen e.V.]

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